Mängelwesen Mann

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Warum ich mich nicht von Erich Lehner beraten lassen möchte

Im Österreichischen Rundfunk kann man heute wieder einmal etwas über die Kosten der Männlichkeit lesen. Das klingt vordergründig betrachtet so, als ob sich jemand um das Wohlergehen des Mannes sorgen würde. Dahinter steckt aber Erich Lehner und von dem würde ich mich nicht mehr beraten lassen. Weil das einem Mann nichts nützt. Im Gegenteil.

Wissen Sie, was ein Kollateralschaden ist? Dieser Begriff wurde in der Folge des Kosovokriegs bekannt und 1999 zum Unwort des Jahres gewählt. Für Erich Lehner ist das Leiden anderer Männer im Zweifelsfall nur ein Kollateralschaden. Aber gehen wir chronologisch vor.

Vor ein paar Jahren wollte meine damalige Partnerin mitsamt unserer Kinder ausziehen. Der Familienrichter hatte mir schon erklärt, dass mir das neue KindNamRÄG nicht nutzen wird. Ich verfiel in eine Depression. Ich dachte bis dahin wirklich, dass die Kindesmutter ohne Deckung durch das Gesetz gehandelt hatte und mir die nun mögliche und in den Medien kolportierte gemeinsame Obsorge auch Mitbestimmung beim Wohnort ermöglichen würde.

Nachdem ich zur Einsicht gelangt war, dass ich das Zerreissen unserer Familie und den Auszug meiner Ex-Partnerin mitsamt meiner Kinder nicht verhindern konnte, erkundigte ich mich auf Anraten der Telefonseelsorge beim Ableger des „Dachverbandes Männerarbeit Österreich“, wie denn das möglich sei, dass die Mutter einfach die Kinder mitnimmt. Schließlich hatte ich den Kindern ja ihr bisher trautes Heim und gleich viel Betreuungszeit wie die Mutter geboten.

Diese Männerarbeit steht unter der Obmannschaft von Mag. Dr. Erich Lehner. Dort wollte man dann mehr erfahren. „Erzählen sie doch von sich. Von was leben sie?“ Ich gab Auskunft. Ohne zu wissen, dass ich mich damit auslieferte und ihnen signalisierte, was bei mir zu holen ist.

Man versicherte mir, dass es eine Unverfrorenheit sei, dass eine Mutter einfach über die Kinder allein bestimmen dürfe. Aber die Gesetzeslage erlaube das nun mal. Das sei eine Folge des Patriarchats bis in die 1970er Jahre hinein und der darauffolgenden Gegenreaktion. Man hätte allerdings den Bogen überspannt. Dies gehöre nun wieder zurückerobert. Und es gäbe seit 10 Jahren schon Verbesserungen und auch europäische Bestrebungen, diese Dinge immer mehr ins Lot zu bringen. Der Preis dafür sei das Gender-Mainstreaming.

Der Mann müsse sich von seiner klassischen männlichen Rolle befreien, seine weiblichen Anteile entdecken und vor allem der Frau entgegenkommen bei der Bezahlung. Man müsse sowohl gegen überkommene und national-konservative Vorstellungen von Familie als auch gegen die vermeintliche Zuständigkeit von Frauen für Kindererziehung sein. Nur so überwinde man das patriarchale Ökonomiesystem, das ja immer noch die Frau ausbeute. Nur dadurch sei zu erklären, dass sich die Frau als Mutter dann an die Kinder klammere wie an einen Strohhalm. Und mit Zeigefinger: Man könne die Frau nicht ändern, man könne nur sich selber ändern. Sie werde sich dann entspannen und zwangsläufig bereit erklären, die Kinder öfters herzugeben. Daher wäre ein gerichtlicher Weg sowieso der falsche. Der Entpatriarchisierungsprozess begann… Immer wieder sträubte sich mein Innerstes dagegen. Irgendetwas schien faul an der Sache. Ich sah die Kinder ein bisschen weniger und sofort wurde mir unterstellt, ich hätte der Mutter irgendeinen Anlass dazu gegeben.

Irgendwann fiel ich dann doch ab von der erzwungenen “Entpatriarchisierung”. Der Auslöser war vermutlich ein Gespräch, das sich im Warteraum mit einem Leidensgenossen ergab. Der war offenbar von seiner Frau geschlagen worden. Ich sagte sinngemäß: Ja die Frauen sind auch nicht immer die Opfer. Woraufhin das Gesicht meines Gegenüber erstarrte und ihm ein „aber im Ernst, Zahlen dazu gibt es nicht“ entfuhr. Ich sagte: Ja ich kann mir vorstellen, dass viele Männer nicht zur Polizei gehen. Das hörte sein Therapeut, der sich eben einen Kaffee holte und er fuhr mir über den Mund. Es wurde nicht weiterdiskutiert und er nahm den Leidensgenossen schnellstens mit ins Beratungszimmer. Dieser Maulkorb schien mir sonderbar. Ich erzählte meinem Therapeuten davon.

Wenig später, ob aufgrund dieses Vorfalles oder weil sich kein Fortschritt in meiner psychischen Verfassung ergab, wurde so etwas wie die dicke Bertha der Umerziehung ausgepackt: das Mängelwesen. Der Begriff des „Mängelwesens“ wurde durch Arnold Gehlen bekannt, den Cousin von Reinhard Gehlen, dem ersten Präsidenten des BND. Das Mängelwesen Mann ist dann ein “unfertiges Lebewesen”, das erst durch Erziehung zum vollständigen Menschen gemacht werden muss. Die Männerberatungen des „Dachverbandes Männerarbeit Österreich“ haben dann das Ziel: Du sollst dich als Mängelwesen fühlen, alle Schuld bei dir selber suchen und keine Forderungen stellen. Du sollst dich unterjochen lassen und dabei meinen, deine Beschwerden kämen von deiner Unfähigkeit, deine Mängelwesenstruktur zu akzeptieren.

Bis zum Erlernen einer Akzeptanz als Mängelwesen bleibt dir dann nur die tatkräftige, “verantwortungsvolle” (soll heißen finanzielle) Akzeptanz der Priorität der Mutter bei der Betreuung der Kinder. Das ist das eigentliche Ziel!

Als Vater geht man zur Männerberatung aufgrund der Angst davor, die Kinder nicht mehr täglich zu sehen. Der Angst, die Kinder nur noch einmal pro Woche zu sehen. Der Angst, die Kinder nur noch alle 2 Wochen zu sehen. Und der Angst, die eigenen Kinder gar nicht mehr zu sehen. Aber für Erich Lehner sind Männer Mängelwesen. Und dass sie ihre Kinder immer weniger sehen, ist nur ein Kollateralschaden.

Im ORF-Artikel wird zwar mit keinem Wort das „Mängelwesen“ erwähnt, aber die Mängelwesen-Theorie ist in jedem Satz erkennbar. Die Überschrift „Kosten der Männlichkeit“ gibt den Kurs vor. Im Verlauf erwähnt der Artikel dann „typische männliche Merkmale wie Aggressivität, verstärkte Autonomie, verstärkte Ärgerattacken“.

Von Erich Leher will ich mich nicht mehr beraten lassen. Und eigentlich will ich auch nicht, dass der staatliche Rundfunk seine männerfeindliche Ideologie verbreitet.

Walter Cassar

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